Mayday Pack-Service — was in der Werkstatt wirklich passiert
Vom Auspacken über die Bridle-Inspektion bis zum Faltungs-Stempel. Ein Pack-Service-Tag mit einem Mayday Square — Schritt für Schritt.
Ein Rettungsschirm bleibt im Container. Du siehst ihn nicht, du fühlst ihn nicht, und im besten Fall wirst du ihn nie auslösen. Genau deshalb ist der jährliche Pack-Service kein bürokratischer Akt, sondern die einzige Gelegenheit, an der ein Profi den Zustand deines Notfall-Geräts überhaupt beurteilen kann.
Dieser Beitrag begleitet einen typischen Pack-Service-Tag bei einer zertifizierten Werkstatt im Großraum München. Vom Anlieferungs-Karton bis zur Service-Karte mit Stempel.
Tag 1 — Anlieferung und Erst-Inspektion
Ein Mayday Square 100 kommt in der Versand-Kiste. Bevor der Schirm überhaupt aus dem Container darf, dokumentiert die Werkstatt:
- Schirm-Modell + Seriennummer
- Pilot-Daten + Container-Modell (für gurtzeug-spezifischen Re-Pack)
- Letzte Pack-Service-Karte (war es bisher 12, 14 oder 18 Monate her?)
- Sicht-Zustand der äußeren Container-Hülle
Auffälligkeiten — Wasser-Flecken, UV-verfärbte Stoff-Stellen, lose Bridle-Schlaufe — werden fotografiert und ins Service-Protokoll geschrieben. Pilot:innen bekommen das Protokoll am Ende mit.
Tag 1 — Auslüften
Der Schirm wird ausgepackt und an einer Aufhänge-Vorrichtung in einem trockenen, schattierten Raum 24 bis 48 Stunden ausgehängt. Das ist der wichtigste Schritt, den Selbst-Packer nicht ernst nehmen:
Faltungs-Verklebungen entstehen durch Pack-Druck plus Temperatur-Wechsel. Im Container bei 50 °C im Auto im Sommer fängt der Stoff an zu “kleben”. Die Verklebungen sind klein, aber sie verzögern die Öffnung im Auslöse-Fall um 0,5-1,5 Sekunden.
Erst nach 24+ Stunden Lüftung ist der Stoff “frei” und kann sauber inspiziert werden.
Tag 2 — Visuelle Inspektion
Die eigentliche Prüf-Arbeit dauert pro Schirm 20-40 Minuten. Geprüft wird:
Stoff
- UV-Schäden — wenn der Schirm in der Sonne gelagert wurde, bleichen Farben aus und der Stoff verliert Reissfestigkeit
- Naht-Zustand — gerissene Nähte, Garn-Aufgang an Belastungs-Punkten
- Stoff-Risse — auch kleine Punkt-Schäden werden mit Lupe geprüft
- Verschmutzung — Salz, Öl, Hydraulik-Flüssigkeiten greifen das Material an
Bridle (Tragleinen + Verbindungen)
- Material-Verformung — Knoten, Kringel, Versteifungen
- Belastungs-Punkte an den Apex-Verbindungen
- Kausch-Hülsen auf Verschiebung oder Verschleiß
- Schloss-System — Karabiner, Quick-Release, Bridle-Length
Apex-Konstruktion
Der Apex (Spitze des Schirms) trägt die ganze Last beim Auslöse-Schock. Veränderungen hier sind kritisch — Werkstatt prüft auf Stauchungen und Asymmetrien.
Tag 2 — Material-Test bei älteren Schirmen
Bei Schirmen ab 5 Jahren ergänzt die Werkstatt einen Reissfestigkeits-Test:
- Stoff-Streifen-Probe (bei stark abgenutzten Bereichen)
- Bridle-Härteprüfung mit Bruchlast-Stichprobe
- Vergleich mit Hersteller-Toleranz-Werten
Ist der Schirm außerhalb der Toleranz, geht er nicht zurück in den Service — die Werkstatt empfiehlt Ersatz, und die Pilot:in bekommt eine schriftliche Begründung. Versicherer verlangen diese Begründung gegen Ersatz-Erstattung.
Tag 2 — Faltung nach Hersteller-Manual
APCO Mayday hat eigene Faltungs-Anweisungen — pro Modell:
- Mayday Square — Cross-Cap-Faltung, anders als klassische Halbkugel
- Mayday PP — Standard-Halbkugel-Faltung mit Apex-Voraus
- Mayday G-MD SLT — Rogallo-spezifisch, mit Steuer-Linen-Routing
Faltungs-Schritte für Mayday Square:
- Ausbreiten auf der Pack-Tisch (Bahn-Anordnung prüfen)
- Zellen-Ausrichtung (Stoff-Druck-Verteilung)
- Apex-Anker-Faltung (kritisch für Öffnungs-Sequenz)
- Bridle-Einlegen (sortiert, ohne Knoten)
- Pack-Sack-Befüllung (Volumen-Kontrolle für Container-Kompatibilität)
Die Faltung selbst dauert 30-45 Minuten je nach Modell — kein langweiliger Routine-Job.
Tag 2 — Service-Karte und Logbuch
Am Ende kommt der wichtigste Schritt für die Pilot:in:
- Service-Karte mit Datum, Werkstatt-ID, Werkstatt-Stempel
- Nächster Pflicht-Termin — exakt 12 Monate später
- Service-Protokoll mit allen Auffälligkeiten + Foto-Doku
- Pflege-Empfehlung an die Pilot:in (UV-Lagerung, Container-Belüftung)
Diese Karte ist dein Beleg gegenüber:
- DHV-Versicherung — Pflicht-Beleg für Halterhaftung
- Privat-Versicherer — Voraussetzung für Schadenfall
- Flugschulen — wenn der Schirm bei Schul-Flügen genutzt wird
- Käufer:innen beim Wiederverkauf — ohne Service-Historie ist der Schirm im Zweifel nicht legal flugfähig
Was du als Pilot:in nicht selbst kannst
Pack-Service ist nicht “Schirm einfach neu falten”. Drei Dinge kannst du als Pilot:in nicht ohne Werkstatt-Ausstattung leisten:
- 24-48 h Lüftung in trockenem, schattierten Raum mit Aufhänge-Vorrichtung
- Material-Test mit Reissfestigkeits-Vergleich gegen Hersteller-Toleranz
- Service-Stempel-Berechtigung — nur zertifizierte Werkstätten dürfen die Karte ausstellen, die von Versicherungen anerkannt wird
Auch wenn du faltungs-routiniert bist: ohne Stempel ist der Schirm formal nicht legal flugfähig.
Service-Anfrage über Flyapco
Wir koordinieren Pack-Service für Mayday-Modelle über die zertifizierte Werkstatt im Großraum München. Anfrage per Mail — wir prüfen Termin, Versand-Logistik und Modell-Spezifika.
Erst-Termin nach Kauf: 12 Monate ab Liefer-Datum. Erinnerung kommt automatisch per Mail, wenn du beim Kauf opt-in für den Service-Reminder gesetzt hast.